« Zurück       Weiter »

Seltsame und unerfreuliche Begegnungen sind im Outback die Ausnahme

Schöne Wolken-Camp — 20.07.2002

Einen Tag früher als ursprünglich geplant sind wir wieder unterwegs. Die Atmosphäre auf Alcoota Station wurde gestern derart unangenehm, dass wir uns kurzfristig entschieden haben den Ort so schnell als möglich zu verlassen. Laut Aussage von Ant kann die Frau des Managers zur Zeit keine Menschen sehen und hat uns dementsprechend unfreundlich und kalt behandelt. Auch ihr Mann zeigte sich nicht gerade von einer angenehmen Seite. Obwohl die Gastfreundschaft und Freundlichkeit ein Markenzeichen für das Outback ist gibt es natürlich auch seltsame und unerfreuliche Begegnungen. Gott sei Dank zählen solche Erfahrungen im Regelfall zu den Ausnahmen.

„Bin ich froh diese Homestead hinter mir zu lassen,“ sagt Tanja als wir einem schmalen, nur selten benutzten Weg folgen. „Ich auch. Waren wirklich eigenartige Menschen.“ „Ja, es wäre besser gewesen wir wären gar nicht erst hingegangen.“ „Wären wir ja auch nicht aber als wir den Manager trafen machte er einen sehr freundlichen Eindruck. Außerdem wollte sein Freund Ant wegen seinem Pferdetrip einige Informationen von uns,“ antworte ich nachdenklich. „Hm, stimmt. Ich weiß nicht was mit dieser Frau los war. Als ich sie gestern fragen wollte, wo ich unsere Wassersäcke auffüllen kann, ist sie einfach im Haus verschwunden und hat mich eiskalt in der Dunkelheit stehen lassen. Selbst die Kinder waren auf einen Schlag spurlos verschwunden.“ „Mir ging es ähnlich. Ich wollte sie bitten ihr Telefon benutzen zu dürfen, doch als sie mich sah verschwand sie ebenfalls im Haus und kam nicht mehr raus. Ich dachte erst sie hat mich nicht gesehen und habe dann nach ihr gerufen. Es hat mindestens 10 Minuten gedauert bis sie dann recht schlecht gelaunt zur Tür kam. Auch kostete es ihr sichtlich Überwindung mir das Telefonieren zu erlauben. Selbst als ich ihr erklärte durch das Benutzen unserer Telefonkarte keine Kosten für sie zu produzieren forderte sie mich nach fünf Minuten auf mein Gespräch zu beenden. Es ist mir gestern mehrfach so ergangen. Auch ihr Mann hatte anscheinend Angst ich könnte auf seine Kosten telefonieren, denn auch er verlangte von mir schon nach wenigen Minuten die Leitung wieder frei zu geben. „Zeig mir deine Telefonkarte,“ hat er mich misstrauisch gefragt. Und: „Wenn ich eine Telefonrechnung bekomme werde ich dich überall in Australien finden,“ meinte er mit einem seltsamen Lachen. Ehrlich…, ich wusste nicht ob er nur scherzen wollte aber es klang recht ernst. Wahrscheinlich haben die beiden schlechte Erfahrungen gemacht.“

„Es ist viel angenehmer unser Camp weit weg von jeglicher menschlicher Zivilisation zu wissen.“ „Du hast recht. Wir müssen nur darauf achten nicht langsam Menschenscheu zu werden. Ich frage mich schon seit geraumer Zeit wie wir es verkraften werden wenn wir nach 6000 oder 7000 Kilometern die Ostküste erreichen? Irgendwie mache ich mir Gedanken darüber ob ich dann noch ein normales Leben führen kann? Ob ich es noch verkraften kann mit all der Hektik, dem Verkehr, dem Lärm und Konsum zu leben?“ „Wir werden sehen. Ich denke es ist besser sich jetzt nicht den Kopf darüber zu zerbrechen. Im Augenblick sind wir hier im Herzen der Natur und das ist was zählt.“ „Stimmt, wer weiß schon was später geschehen wird. Abgesehen davon hat das Leben da draußen in unserer westlichen Zivilisation auch seine Reize und kann durchaus sehr schön sein,“ antworte ich guten Mutes ausschreitend.

Seit vielen Wochen zum ersten Mal ziehen leichte Schleierwolken über unsere Köpfe hinweg. Manchmal werden die zusehend wärmer werdenden Sonnenstrahlen etwas gedämpft. Eine leichte Briese bläst uns entgegen und kühlt unsere Körper angenehm. Gegen Mittag erreichen wir ein altes Gatter welches die Grenze zu Alcoota ist. Ohne Schwierigkeiten durchschreiten wir es und befinden uns auf der Mount Riddock Station. Der Weg ist ab hier schon viele Jahre nicht mehr benutzt worden. Obwohl er in der Karte als eine Art Hauptverkehrsverbindung eingezeichnet ist verschwindet er plötzlich vollkommen und vereint sich mit dem wucherndem Grasland. Schneller als geplant müssen wir uns wieder in einem Querfeldeinlauf durch das Land schlagen bis urplötzlich die alte Verbindung wieder auftaucht und uns in Richtung Nordosten führt.

Müde aber zufrieden schlagen wir dann im Schatten einiger Bäume unser Lager auf. Wie sonst auch sind wir damit beschäftigt einige kleine Reparaturen an den Sätteln durchzuführen. Unseren Kamelen geht es soweit gut. Sebastian, Hardie und Istan zeigen jedoch leichte Druckstellen an ihren Höckern. Wie ich schon berichtete konnten sie durch die gute Kost auf New Haven kräftig zunehmen. Jetzt gilt es sie nach dem Abladen genau zu untersuchen, um herauszufinden an welchen Stellen der Sättel wir Stroh entnehmen müssen.

Als die Dämmerung den Tag vollkommen in die Flucht geschlagen hat verziehen wir uns auf die Campbetten. Mit offenen Augen liege ich lange da und beobachte die geisterhaft aussehenden Schleierwolken. Der zunehmende Mond wirft sein kaltes Licht auf sie. Wie seidene Brücken ziehen sich die feingliedrigen Wolken im gespenstischen Glanz über das Firmament. Fast unheimlich wirkt der hell erleuchtete Hochnebel der mit seinen filigranen Armen nach uns zu greifen scheint. Millionen von Sternen schimmern und glitzern wie ein Diamantenreif hinter dem seidenen Wolkentuch und lassen den noch nie gesehenen Anblick zu einem unvergesslichen Erlebnis werden.

Wir freuen uns über Kommentare!

Tag: Tag 65 Etappe Drei / Expeditionstage gesamt 456

Sonnenaufgang:
07:10

Sonnenuntergang:
18:05

Luftlinie:
22

Tageskilometer:
27

Gesamtkilometer:
4349

Temperatur - Tag (Maximum):
26 Grad, in der Sonne ca. 50 Grad

Temperatur - Nacht:
minus 2 Grad

Breitengrad:
22°48’39.5’’

Längengrad:
134°39’49.9’’