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Bisons und in einem der schönsten Skigebiete Norwegens

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“He! Hee! Ha, ha, ha! Heee!” „Was ist da los?”, fragt Tanja aus dem Schlaf gerissen. „Weiß nicht. Der Tumult ist auf jeden Fall direkt vor unserer Terra“, antworte ich, gleite aus dem Bett und spitze durchs Fenster nach draußen. „Es sind Jugendliche, die sich offensichtlich zu einer privaten Corona Feier hier auf dem Parkplatz getroffen haben“, stelle ich fest. Einige Männer sind sichtlich angetrunken und grölen was das Zeug hält, während Mädchen kreischen und hysterisch schrill lachen. Aus einem Kofferraum eines Pkws dröhnt laute Musik und der Bass lässt die Fenster der Terra regelrecht erzittern. „Wow! Wow! Wow!“, bellt Ajaci aufgeregt. „Sei leise. Wir wollen doch nicht unnötig auffallen“, sage ich, worauf unser gut erzogener Hund augenblicklich verstummt. „Ob das böse Jungs sind?“, fragt Tanja beunruhigt. „Glaube ich nicht. Es sind junge Leute die gerne mal wieder ausgelassen abtanzen möchten. Wahrscheinlich sind auch in Norwegen alle Clubs und Diskotheken geschlossen“, vermute ich. Wir krabbeln wieder in unser Bett und liegen bis 3:00 Uhr am Morgen hellwach da. Dann heulen die ersten Motoren auf, Reifen quietschen, Hupen brüllen und plötzlich tritt wieder wohltuende Stille ein. „Puh, endlich“, sage ich und falle in einen tiefen Schlaf.

Um 11:30 Uhr verlassen wir die Atlantikstraße in Richtung Landesinnere. Kaum liegt die Küste hinter uns fallen die Temperaturen auf minus 9 Grad. Unser heutiges Ziel ist es in der Berglandschaft von Trollheimen wilde Bisons zu sehen. Lisa und Patrick haben uns den Tipp gegeben das dort eine wilde Herde herumstreunen soll. Da sich der 1600 m hohe Gebirgszug zwischen der Atlantikstraße und der Europastraße E6 auftürmt und wir gezwungen sind ihn zu überqueren, müssen wir keinen weiteren Umweg einlegen, um die Wildrinder in freier Natur fotografieren zu können. Mittlerweile ist die Straße wieder mit einer geschlossenen Schneedecke überzogen. Wir kommen nur langsam voran. Im Tal rauscht ein Gebirgsfluss, in dem es viele Lachse geben soll. Die Flüsse dieser Region sollen laut Aussagen der Angler zu den besten Lachsflüssen Norwegens gehören.

Die ersten Schilder raten zum Anlegen von Schneeketten. Ob wir jetzt doch noch Probleme mit dem Winter bekommen? Die schmale Gebirgsstraße windet sich durch eine atemberaubende Landschaft die von den Einheimischen auch als das Land der Trolle bezeichnet wird. Nach neuesten Erkenntnissen wurde diese Region nach der letzten Eiszeit als Erstes eisfrei und deswegen schon sehr früh von Menschen besiedelt. Vielleicht einer der Gründe, warum sich hier die Trolle wohlfühlen. „Siehst du irgendwo Bisons?“, frage ich Tanja da wir davon gehört haben das sie manchmal auch bis an die Straße kommen. „Nichts zu sehen“, antwortet sie. „Vielleicht sollten wir die Straße verlassen und einen der Nebenwege nehmen?“, überlege ich. „Keine gute Idee. Da liegt überall viel zu viel Schnee“, gibt Tanja zu bedenken. „Und sage bitte nicht das ist für die Terra kein Problem“, höre ich, bevor ich meine Gedanken laut formulieren kann. „Nein ich kann keine Gedanken lesen, aber nachdem ich dich gut kenne, weiß ich was du gerade sagen wolltest“, setzt sie fort. „Okay, okay, wir bleiben auf der Straße“, gebe ich klein bei und weiß das es übel wäre hier stecken zu bleiben. Eine Hinweistafel zeigt uns den Weg zu einem Informationszentrum. „Den Nationalpark gibt es nicht mehr“, erklärt eine Mitarbeiterin im kleinen Supermarkt nebenan. „Aber hier müssen irgendwo Bisons herumlaufen“, widerspricht Tanja. „Bisons? Nicht das ich wüsste“, antwortet die junge Frau. Enttäuscht fahren wir weiter. „Wahrscheinlich sind wir auf einer anderen Strecke unterwegs als die von Lisa und Patrick angegebenen“, vermute ich als es langsam zu Dämmern beginnt. „Schwer hier einen Platz für die Nacht zu finden“, meint Tanja, weil wegen dem vielen Schnee wieder einmal keine Parkmöglichkeiten am Straßenrand zu sehen sind. Wieder haben die Räummaschinen die Zugänge zu einigen Parkplätzen mit Schnee versperrt da sie mit ihren Schilden die Schneemassen zur Seite schleudern und dabei die Auffahrt völlig unmöglich machen.

Nach fünf Stunden Fahrt erreichen wir das beliebte Skigebiet Oppdal mit seinen 50 Pistenkilometer, knapp 20 Liftanlagen und mehr als 100 Kilometer Loipen. „Lass uns die Terra mal von der dicken Salzkruste befreien“, schlage ich vor, als ich in dem Ort eine der Waschanlagen entdecke, in der die Norweger ihre Autos mit Hochdruckreiniger waschen. Da in Norwegen nahezu alles mit Kreditkarte bezahlt wird, gibt es auch für die Waschanlage einen Kreditkartenautomaten der leider unsere Karte verweigert. „Kein Problem“, sagt die Tochter des Besitzers und schaltet die Anlage frei. „Aber wie können wir ihnen das Bezahlen?“, fragt Tanja. „Sie sind eingeladen. So ein schönes Auto muss man doch von dem aggressiven Salz befreien“, antwortet sie lachend.

Es ist schon lange stockfinster als wir an einem Skilift einen einsamen Platz für die Nacht finden. Auf dem mit Flutlicht hell erleuchteten Skihang neben uns präparieren mehrere Raupen die Piste. Schneekanonen donnern die weiße Pracht auf den Hang da es an diesem Berg offensichtlich nicht genügend geschneit hat. „Hätten wir Ski dabei könnten wir morgen Skifahren gehen“, sage ich. „Die kann man sich hier bestimmt auch ausleihen, aber wenn wir Weihnachten zu Hause sein wollen, sollten wir weiterfahren“, antwortet Tanja...

 

Datum:
05.12.2020

Tag: 125

Land:
Norwegen

Ort:
Oppdal Skicenter

Tageskilometer:
211 km

Gesamtkilometer:
9400

Bodenbeschaffenheit:
Asphalt

Brückenüberquerungen:
37

Tunneldurchfahrten:
13

Sonnenaufgang:
09:27 Uhr

Sonnenuntergang:
14:55 Uhr

Temperatur Tag max:
+ 4°

Temperatur min:
- 9°

Wind
40 km/h

Aufbruchszeit:
11:30 Uhr

Ankunftszeit:
17:00 Uhr

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