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Bis zu den Knien im Schnee

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„Der Polarkreis“, sagt Tanja wenig später auf ein verschneites Hinweisschild deutend. „Wollen wir dem Polarkreiszentrum noch mal einen Besuch abstatten?“, frage ich, weil wir dort vor gut zwei Monaten bereits waren. „Klar, warum nicht. Sieht im Winter bestimmt interessant aus“, antwortet Tanja. Nur Minuten später biegen wir links ab, um zu dem jetzt völlig verwaisten igluartigen Gebäude des Polarkreiszentrums zu gelangen. Die Zufahrt und der große Parkplatz vor dem Bauwerk liegen unter einer dicken Schneedecke. Vorsichtig, um nicht irgendeinen unterm Schnee versteckten Begrenzungspfahl oder Betonpfosten zu erwischen, fahren wir vors Gebäude das am magischen Breitengrad 66°33’ N liegt und im Sommer von Hunderten von Touristen aufgesucht wird. Jetzt hingegen sind wir alleine hier. Klar, was möchte man schon bei diesen Wetterverhältnissen an solch einem Ort, wo es nichts außer Schnee und karger Landschaft gibt? „Komm Ajaci, lass uns eine Runde drehen“, fordert Tanja unseren Hund auf die Terra zu verlassen. Auf unserer kleinen Wanderung auf den Hügel neben dem futuristischen Gebäude, versinken wir bis zu den Knien im Schnee. Huuiii!, fegen eisige Windböen über das karge Land. Eiskristalle nadeln uns ins Gesicht.

Obwohl das Thermometer, hier auf einer Höhe von ca. 680 Meter, nur minus fünf Grad anzeigt, kühlen wir schnell aus. Durch den Chill Faktor fühlt es sich an wie mindesten minus zehn Grad. Erschien im September die Tundrenvegetation mit ihren Zwergsträuchern, Moosen und Flechten in einer rotgelben herbstlichen Farbenpracht, ist Ende November der kälteresistente Pflanzenteppich mit einer allumfassenden weißen Schicht bedeckt. Wir stapfen durchs Fjell (Feld), blicken hinunter zum Polarkreiszentrum, dass nun mindestens ein halbes Jahr warten muss, um erneut von Reisenden besucht zu werden. Mittlerweile ist es 13:45 Uhr. Die Sonne lässt sich in diesem Augenblick auf einen Bergrücken nieder und wird sich in spätestens 30 Minuten von dieser Erdhalbkugel verabschieden. In den letzten goldenen Strahlen des heutigen Tages stapfen wir wieder runter zu unserem mobilen Heim. Ausgefroren versuche ich den Schlüssel in die Kabinentür zu stecken. „Mach schon, mir frieren die Finger bald ab“, treibt mich Tanja zur Eile an. In der Hektik fällt mir der Schlüssel aus der Hand und verschwindet im tiefen Schnee. „Shit!“, fluche ich ungehalten. Vorsichtig taste ich nach ihm, kann aber außer kaltem Schnee nichts greifen. „Er ist weg!“, sage ich und bemerke wie es mir urplötzlich heiß wird. „Was? Mach doch bitte keine Scherze.“ „Kein Scherz. Er ist weg.“ „Keine Panik. Er kann ja nicht weit sein“, versucht mich Tanja mit bibbernder Stimme zu beruhigen. „Wo ist der Ersatzschlüssel?“, frage ich. „Glaube den haben wir in der Terra gelassen“, antwortet Tanja zusehend nervös werdend in ihren Jackentaschen danach zu suchen. „Da ist er“, sagen wir fast zur gleichen Zeit als ich meinen Schlüssel aus dem Schnee und Tanja ihren aus der Jackentasche zieht. „Puh, wie schnell man doch in eine brenzliche Situation kommen kann“, meine ich nachdenklich in die wohlig warme Kabine tretend. „Ja, unfassbar“, antwortet Tanja ihre Jacke ausziehend und sich die Hände reibend. „Wollen wir hier über Nacht bleiben? Platz haben wir genügend“, fragt sie. „Hm, weiß nicht. Bis hierher haben wir gerade mal 35 Kilometer zurückgelegt. Ich denke wir sollten noch ein paar Stunden fahren, um ein bisschen Strecke zu machen“, überlege ich. „Dann werden wir in der Dunkelheit unterwegs sein, aber ich bin deiner Meinung“, antwortet Tanja, worauf wir den interessanten Ort verlassen.

 

 

Datum:
26.11.2020

Tag: 116

Land:
Norwegen

Ort:
Blutstraße

Tageskilometer:
181 km

Gesamtkilometer:
8404 km

Bodenbeschaffenheit:
Asphalt

Brückenüberquerungen:
22

Tunneldurchfahrten:
7

Sonnenaufgang:
09:30 Uhr

Sonnenuntergang:
14:14 Uhr

Temperatur Tag max:

Temperatur Nacht min:
minus 5°

Wind
5 km/h

Aufbruchszeit:
11:00 Uhr

Ankunftszeit:
16:00

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