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Nächtliches Schneetreiben im dichten Wald

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Nach einer Woche verlassen wir etwas wehmütig unser Camp am Saltfjorden. Wir lassen die Stadt Bodø und den beeindruckenden Gezeitenstrom hinter uns, um uns langsam weiter in Richtung Süden vorzuarbeiten. Da wir in einem knappen Monat zu Hause sein wollen und es bis dahin noch ca. 3.500 Kilometer zu fahren sind, sollten wir unsere Reisegeschwindigkeit etwas erhöhen. Das heißt, dass wir ab jetzt nicht mehr länger als einen oder zwei Tage an einem Ort bleiben dürfen. Noch dazu ist der norwegische Winter gerade im Begriff das Land zu erobern. Trotz der ständig fahrenden Räumdienste sind die meisten Straßen mit einer dichten Schnee- oder Eisdecke überzogen. Waren wir vorher schon nicht die Schnellsten, hat sich unsere Reisegeschwindigkeit erheblich reduziert. Bedacht und mit der nötigen Vorsicht steure ich unsere Terra Love über die Gebirgsstraßen, während uns die Einheimischen ständig überholen. Die Sonne ist schon vor zwei Stunden untergegangen, als wir auf der Suche nach einem geeigneten Übernachtungsplatz die Straße verlassen, um wie so oft auf ein schmalen Nebensträßchen unser Glück zu versuchen. „Bist du dir wirklich sicher hier fahren zu wollen?“, fragt Tanja nicht zum ersten Mal auf diesem Trip. „Absolut sicher“, antworte ich den verschneiten Waldweg entlangschleichend. „Ich hoffe, wir bleiben nicht stecken. Du hast schon bemerkt, dass der Weg bergab führt?“, vernehme ich die Stimme der Vernunft neben mir, während mein nach Abenteuer rufendes Verlangen mich auffordert, unser Gefährt tiefer in den Wald zu treiben. „Schau dir die Spuren im Schnee vor uns an. Die kommen von einem Pkw. Demnach ist das für uns kein Problem“, antworte ich. „Und, wenn es über Nacht noch mehr schneit? Es kann doch sein, dass wir dann irgendwo im Schnee versinken. Vor allem müssen wir morgen die Steigung wieder hoch. Hier gibt es bestimmt keinen Räumdienst und wer weiß, wohin der Pkw gefahren ist? Vielleicht wohnt der Fahrer im Wald? Vielleicht geht er dort jagen und lebt in einer Hütte?“ „Es gibt tausend Möglichkeiten. Mach dir nicht immer Sorgen, ob wir irgendwo abrutschen oder stecken bleiben. Wir kommen hier garantiert wieder raus“, beruhige ich Tanja. „Fragt sich nur wann?“ „Spätestens wenn im Frühjahr der Schnee wieder schmilzt“, antworte ich scherzend. „Witzbold“, höre ich, worauf wir beide prusten vor Lachen. Im Licht der Scheinwerfer taucht plötzlich eine für die Terra grenzwertige schmale Holzbrücke auf, die über den Fluss Luonosjåhkå führt und unsere nächtliche Fahrt für heute beendet. Ich bin im Begriff zu wenden, als das Licht der Scheinwerfer eine wunderbar freie Fläche erhellt. „Siehst du, hier haben wir einen traumhaft schönen Platz für die Nacht“, frohlocke ich. „Wusste ich doch gleich, dass wir am Ende dieser wunderbaren Fahrt durch den Wald einen perfekten Übernachtungsplatz finden“, meint Tanja schmunzelnd. Ich bin gerade im Begriff, den Zündschlüssel zu ziehen, da beginnen die Schneeflocken im Scheinwerferlicht wie wild zu tanzen. „Es wird stärker“, stellt Tanja fest. „Ja, wir werden morgen trotzdem wieder rauskommen“, sage ich mir darüber bewusst, dass unsere Terra 24 Gänge und drei Differenzialsperren besitzt, die uns schon letztes Jahr im russischen Polarkreis durch schwerstes Gelände gebracht haben, ohne jemals in Schwierigkeiten geraten zu sein...

Datum:
25.11.2020

Tag: 115

Land:
Norwegen

Ort:
Storjord / Schneeflocken-Camp

Tageskilometer:
119 km

Gesamtkilometer:
8223 km

Bodenbeschaffenheit:
Asphalt

Brückenüberquerungen:
10

Tunneldurchfahrten:
8

Sonnenaufgang:
09:31 Uhr

Sonnenuntergang:
13:58 Uhr

Temperatur Tag max:

Temperatur Nacht min:
minus 2°

Wind
10 km/h

Aufbruchszeit:
10:00 Uhr

Ankunftszeit:
16:00

 

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