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Ronny und Jimmy

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Plötzlich knirscht es auf dem Eis. „Ein Sanitätsfahrzeug“, sage ich überrascht aus dem Fenster sehend. „Was wollen die von uns?“, wundert sich Tanja. „Hallo“, begrüße ich die zwei Männer freundlich, die im Begriff sind, aus ihrem Rettungswagen zu steigen. „Hallo. Wir wollten uns nur mal erkundigen, ob es ihnen gut geht?“, fragt einer der Männer. „Ja danke der Nachfrage, uns geht es sehr gut.“ „Entschuldigen sie bitte, dass wir mit der Tür in Haus gefallen sind und uns nicht gleich vorgestellt haben. Ich heiße Ronny und bin der Notarzt dieser Region und das ist mein Kollege Jimmy. Wir fahren oben auf der Küstenstraße jeden Tag vorbei und haben uns gewundert, wer wohl solange an so einem abgelegenen Platz steht. Das haben wir zu dieser Jahreszeit bisher noch nicht erlebt und uns gefragt, ob alles okay ist?“ „Oh, das ist sehr freundlich von euch. Toll, dass ihr nachfragt.“ „Ist unser Job für die Bewohner der Insel da zu sein. Wir werden oft auch für Notfälle gerufen und wenn wir nicht helfen können, fahren wir die Menschen ins nächste Krankenhaus.“ „Wie weit ist das nächste Krankenhaus?“, möchte Tanja wissen. „Ca. drei Autostunden von hier. Je nach Wetterlage auch mal länger.“ „Da habt ihr einen verantwortungsvollen Job“, meine ich. „Ja schon, aber wenn nichts los ist, kann das Leben hier draußen recht eintönig sein. Wo kommt ihr eigentlich her? Ihr habt ein fantastisches Fahrzeug. Mein Traum. Seid ihr schon länger unterwegs?“, möchte Ronny wissen. „Seit ca. 30 Jahren. In Norwegen sind wir aber erst seit knapp vier Monaten“, antworte ich. „30 Jahre!? Unglaublich“, sind Ronny und Jimmy zur gleichen Zeit erstaunt. „Um, die 30 Jahre nicht einfach so im Raum stehen zu lassen, erzählen wir von uns und über unsere Reisen, dabei vergeht die Zeit wie im Flug. „Der Hammer. Wir würden uns wahnsinnig gerne noch länger mit euch unterhalten aber wir müssen unsere Runde zu Ende fahren, bevor es dunkel wird“, sagt Ronny nach eineinhalb Stunden mit hörbarem Bedauern in der Stimme. „Danke für die Geschichten. Wir sehen uns wieder“, verabschieden sich die beiden und fahren mit ihrem Rettungswagen zur Straße hoch. Oben hupen sie noch mal und verschwinden hinter der nächsten Biegung. „Die Hilfsbereitschaft ist fantastisch“, meint Tanja. „Ja und ich finde es schön, dass die Menschen in abgelegenen Regionen noch Zeit füreinander haben.“

In den wenigen Stunden, in denen der Wind seinen Atem anhält, um sich für den nächsten Sturm vorzubereiten, lasse ich unser Flugauge, so haben wir unsere Drohne genannt, über das Meer und am Strand entlangfliegen. Etwas übermütig geworden fliege ich rauf zu den verschneiten Bergzügen. In dieser Entfernung ist sie mit bloßem Auge nicht mehr zu erkennen. „Hoffe du verlierst sie nicht“, warnt Tanja neben mir stehend. „Der Blick von dort oben ist echt beeindruckend“, antworte ich ihr das Display zeigend. „Sehr beeindruckend. Pass trotzdem auf. Wir haben schon mal eine Drohne gecrasht.“ „Das war nicht ich. Da hat sie jemand anders geflogen.“ „Egal, es hat uns gezeigt, wie leicht so ein Ding abstürzen kann. Lass sie doch mal über unseren Köpfen schweben“, schlägt sie indes vor. Während das Fluggerät von den Bergen zu uns am Strand zurückfindet, gehen Tanja, Ajaci und ich bis zu den Knöcheln ins arktische Meer. Als die Drohne über uns steht, breiten wir unsere Arme aus und blicken nach oben. In Gummistiefeln gegen das kalte Wasser geschützt springen wir auf und ab. Wir tanzen, stapfen wie kleine Kinder ausgelassen in die auslaufenden Wellen und rufen immer wieder unsere Freude in den Himmel. Dabei schießt unser Flugauge unvergessliche Aufnahmen und hält somit den Moment der Freude fest, sodass wir uns beim Betrachten der Bilder später einmal an die unbeschwerte Zeit zurückerinnern werden...

 

 

Datum:
29.10.2020 bis 08.11.2020

Tag: 088 - 098

Land:
Norwegen

Ort:
Senja Steinfjord

Gesamtkilometer:
7491 km

Sonnenaufgang:
07:56 Uhr bis 08:44

Sonnenuntergang:
15:11 Uhr bis 14:24 Uhr

Temperatur Tag max:

Temperatur Nacht min:
-5°

Wind- und Orkanböen:
80 km/h bis 120 km/h

 

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