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Checkpot, wir finden den Campplatz unserer Träume

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„Der Platz dort unten sieht super aus. Wenn es da kein Verbotsschild gibt, wäre die Location genial, um ein paar Tage zu bleiben. Es gibt sogar ein Toilettenhäuschen!“, rufe ich begeistert. „Kein Schild zu sehen“, sagt Tanja, als wir im Schritttempo über eine größere Erdböschung auf eine unbefestigte Fläche direkt am Strand rollen. „Wäre ja zu schön, um wahr zu sein“, erwidere ich mich umsehend. „Nichts. Da darf man bleiben“, stellt Tanja nach einer genaueren Inspektion fest. „Super!“, freue ich mich ungemein, denn der Ort ist noch viel schöner, als ich es mir erträumt hatte. „Funktioniert mit dem Visualisieren“, meint Tanja glücklich. „Absolut. Ich bin immer wieder verblüfft, wie Wünsche in Erfüllung gehen können. Man muss nur fest daran glauben. Wenn jetzt hoffentlich die Messe abgesagt wird, bleiben wir für ein paar Wochen. Dann kann ich die ganze Schreibarbeit nachholen und wir können uns nach der vielen Fahrerei endlich mal ein wenig ausruhen.“ „Sei mal nicht übereuphorisch. Ein paar Wochen sind wohl etwas übertrieben“, versucht mich Tanja von meiner Wolke 7 runterzuholen. „Wer weiß? Jetzt bleiben wir erst mal und richten uns hier ein. Schau mal, wie schön es hier ist“, sage ich auf die hohen schneebedeckten Berge deutend, die sich in unserem Rücken wie ein U formen und sich links und rechts des Fjordes entlangziehen. Ein paar Hundert Meter zu unserer Rechten schmiegen sich etwa 30 Holzhäuser an den Höhenzug. Die meisten von ihnen scheinen bewohnt zu sein, zumindest sind fast alle von ihnen beleuchtet. Zu unserer Linken verstecken sich hinter ein paar Bäumen auch vier oder fünf Häuschen. „Und die Sicht auf den Fjord vor uns ist schlichtweg atemberaubend. Besser als alles, was wir bisher hatten“, fällt Tanja in meine Schwärmerei mit ein. „Ich habe es ja gesagt. Es war gut, das Nordkap früher als geplant zu verlassen“, sage ich. „Was? Das habe ich gesagt, nicht du!“, widerspricht Tanja. „Ich weiß. War nur ein Scherz. In dieser Beziehung hast du fast immer recht.“ „Fast? Nicht fast, ich habe immer recht.“ „Na jetzt übertreib mal nicht. Ab und an liege auch ich richtig“, entgegne ich etwas angesäuert. „Ha, ha, ha. War nur ein Scherz“, macht sie sich über mich lustig. „Ha, ha, ha“, brechen wir nun beide fast zusammen vor Lachen.

Die Sonne verabschiedet sich jetzt am 18. Oktober bereits um 17:00 Uhr. Jeden Tag geht sie etwa 9 Minuten früher unter bzw. auf. Die abendlichen Temperaturen sind mittlerweile auf minus 3 °C gefallen. Ein leichter Wind säuselt um die Terra. Wir sitzen im Warmen und blicken durch unser großes Fenster direkt auf den sich vor uns ausbreitenden ca. 1,200 Meter breiten Steinfjord. Er schmiegt sich zwischen zwei raue Bergzüge die sich in etwa vier Kilometer Entfernung von unserem Strand aus gesehen nach Westen beziehungsweise Osten beugen. So können wir aus unserer Terra Love über das Nordmeer blicken, bis es irgendwo am Horizont von einem zu dieser Stunde noch zart beleuchtenden Wolkenband verschluckt wird. „Für solch einen First Class Blick muss man in Hotels ein Vermögen bezahlen“, sage ich mir den leckeren frischen Fisch, den Tanja zubereitet hat, schmecken lassend.

Es ist 21:48 Uhr. Wir liegen in unseren gemütlichen Betten. Ich lese bereits den fünften Band der Wikingersaga und bin in eine der zahlreichen blutigen Schlachten der Nordmänner vertieft. Von Zeit zu Zeit blicke ich aus dem Fenster über den jetzt dunklen Fjord mit seinen zwei felsigen, schwarz aufragenden Flanken. „Sie ist da!“, rufe ich regelrecht erschrocken. „Aurora?“, fragt Tanja „Ja, eine super Aurora“, antworte ich, worauf wir hektisch in unsere Kleider springen, die Kameras schnappen und in die mondlose Nacht eilen. Obwohl wir seit unserer ersten Polarlichtersichtung auf Lofoten, also vor über drei Wochen, bald jede Nacht das himmlische Spektakeln bewundern durften, werden wir nicht müde, es immer wieder zu betrachten. Staunend stehen wir nun am Strand und beobachten den himmlischen Reigen, der sich über unseren Köpfen abspielt, ein Reigen, der auf Sonnenwinde zurückzuführen ist, die aus energiegeladenen Teilchen, Elektronen, Protonen und ein wenig Helium bestehen. 18 Stunden hat dieser Sonnensturm benötigt, um die 150 Millionen Kilometer zurückzulegen, bis er auf das Magnetfeld der Erde, die Magnetosphäre getroffen ist. Wenn sich die energiegeladenen Teilchen mit den erdeignen Atomen verbinden, entstehen die Nordlichter. Bei grünen Lichterscheinungen in 80 bis 150 Kilometer Höhe, bei roten und blauen Farben sind es zwischen 150 bis 600 Kilometer Höhe. Wie bei einer Vulkanexplosion wird das grünblaue Licht aus einer riesigen Felsspalte des westlichen Bergzuges in den von funkelnden Sternen übersäten Himmel geschleudert. Dann wölbt es sich über den spiegelglatten Fjord und verschwindet hinter dem östlich von uns gelegenen Felsmassiv, an dessen Fuße die wenigen Häuser errichtet wurden. Als wollten die Norweger die finstere Nacht zum Tag machen, strahlt bald aus jedem Fenster Licht. Selbst die zu dieser Zeit nicht mehr befahrenen Straße ist wie nahezu jeder Verkehrsweg in Norwegen von Straßenlaternen illuminiert. Die gelb wirkenden Lichterquellen bilden einen faszinierenden Gegenpol zu der farbenprächtigen Aurora borealis am Sternenhimmel. „Einfach unfassbar“, sage ich von solch umwerfender Schönheit tief beeindruckt. „Wow, wow, wow, flüstert Tanja nach Worten ringend…

 

 

 

Datum:
18.10.2020 bis 20.10.2020

Tag: 077 – 079

Land:
Norwegen

Ort:
Senja Steinfjord

Gesamtkilometer:
7422 km

Sonnenaufgang:
08:05 Uhr bis 08:13

Sonnenuntergang:
17:10 bis 16:57

Temperatur Tag max:

Temperatur Nacht min:
-3°

 

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