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Ist die Berichterstattung gefährdet?

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Weil ich mit meiner Schreibarbeit noch lange nicht fertig bin, würde ich gerne noch länger bleiben, jedoch hat sich gestern Abend das Microsoft-Word-Programm auf meinem Laptop verabschiedet. Das Fatale dabei ist, dass es auf unseren Ersatzlaptop ebenfalls nicht mehr funktioniert. Eine Situation, die mir völlig unverständlich ist. Aber Computer haben unverständliche Fehler und wenn ein Ausfall passiert, ist es immer der falsche Zeitpunkt. Damit bin ich nun nicht mehr in der Lage weiterzuschreiben. Das heißt, dass nicht nur die Arbeit am Buch vorerst beendet ist, sondern auch die Berichterstattung auf unserer Webseite und unseren sozialen Netzwerken. Seit Beginn unserer großen Reise 1991 haben wir immer wieder mal Probleme mit der Technik. In Australien zum Beispiel ist die Festplatte meines Speziallaptops abgeraucht. Zum Glück hatte ich nur Minuten vorher die Daten eines gerade geschriebenen Buches gesichert. In der Mongolei ist bei minus 30 Grad ebenfalls die Festplatte meines Laptops kaputt gegangen. Weil wir uns zu dem Zeitpunkt in der tiefsten Wildnis befanden, in der die nächste asphaltierte Straße 1000 Kilometer entfernt war, mussten wir den Rechner auf dem Pferderücken zum nächsten Postamt bringen lassen. Bis er in Deutschland zur Reparatur war, dauerte es einen Monat. Bis wir ihn wieder hatten, vergingen drei Monate. Während der letzten 30 Jahre segneten mehrere Kameras und Filmkameras das Zeitliche. Weiter filmen und fotografieren konnten wir nur, weil wir grundsätzlich mindestens zwei, manchmal sogar drei Kameras und Filmkameras mitführen. Letztendlich versuchen wir alles mit einem Zweitgerät abzusichern. In Australien ist uns das GPS ausgefallen und das, während wir mit unseren Kamelen von einem herannahenden Zyklon der Klasse 5 davongelaufen sind. Ohne ein Zweitgerät wären wir heute tot. Auch an unseren Fahrrädern und E-Bikes ist wegen extremer Belastung schon einiges in die Knie gegangen und manchmal mussten wir an teils unerfreulichen Plätzen bis zu sechs Wochen auf Ersatzteile warten. Im Laufe der Jahrzehnte haben wir uns an Ausfälle fast schon gewöhnt, jedoch ist es jedes Mal eine kleine bis mittlere Katastrophe, wenn es wieder geschieht. Jetzt ist dieses verdammte Word-Programm hinüber. „Ich muss mir das mal über dem Teamviewer ansehen“, sagte gestern Abend unser Computertechniker, den ich in meiner Verzweiflung in Deutschland anrief. „Wir können das nicht über euren Router im Auto machen. Das saugt viel zu viel Daten und wird dadurch sehr teuer für euch. Ruf mich wieder an, wenn ihre eine feste WLAN-Verbindung gefunden habt“, riet er. Genau das ist der Grund, warum wir jetzt diesen schönen Platz verlassen müssen. „Scheiß Technik!“, fluche ich ungehalten. „Ob Thomas das über den Teamviewer überhaupt reparieren kann?“, bin ich unsicher. „Glaube schon. Er hat uns doch schon öfter aus der Patsche helfen können“, ist Tanja wie so oft zuversichtlich. Bei starkem Regen arbeitet sich die Terra über den nassen, teils matschigen Boden die Steigung hoch in Richtung Europastraße. Oben angekommen nehme ich die Untersetzung wieder raus. „Schon fantastisch, wo wir mit dem Allrad überall hinkommen“, freue ich mich, weil wir genau deswegen nicht auf Campingplätze angewiesen sind.

Wir sind gerade Mal 30 Minuten unterwegs, da taucht in einem kleinen Dorf ein Supermarkt auf. „Da sollten wir anhalten. Ich muss für uns ein paar Lebensmittel kaufen“, meint Tanja, weswegen ich den Blinker setze und auf den Parkplatz steuere. „Das Gebäude neben dem Supermarkt macht auf mich einen offiziellen Eindruck“, sagt sie aus der Terra steigt. „Ja und? Was soll ich mit dieser Information anfangen?“, frage ich. „Na, vielleicht ist es das Gemeindehaus des Dorfes? Während ich einkaufe, könntest du die Zeit nutzen, um dort mal nachzufragen. Vielleicht haben die WLAN.“ „Okay“, antworte ich etwas schwerfällig, da ich mir nicht vorstellen kann, soviel Glück zu haben. „Hallo! Hallooo! Ist da jemand?“, rufe ich, als ich wenig später auf der Suche nach einer WALN-Verbindung in dem menschenleeren Gebäude herumlaufe. In den langen, beheizten Gängen des modernen Objektes brennt überall Licht. An einer Bürotür klopfe ich und trete ein. Ein Mann, der tatsächlich so aussieht, als würde er beim Staat arbeiten, sitzt an seinem Schreibtisch und blickt mich verwundert an. „Wie kann ich ihnen helfen?“, fragt er in perfektem Englisch höflich. Ich erkläre ihm meine missliche Lage. „Und, deswegen bräuchte ich dringend eine WLAN-Verbindung“, sage ich am Ende meiner Ausführung. „Kein Problem. Ich frage meinen Kollegen. Der soll ihnen das Passwort geben. Wenn sie mir bitte folgen. Ich zeige ihnen, wo sie sich hinsetzen können“, fordert er mich freundlich auf ihm zu folgen. „Das ist unser Schulungs- und Besprechungsraum. Dort sind Steckdosen für ihren Laptop. Lassen sie sich ruhig Zeit. Wenn sie mich jetzt bitte entschuldigen. Ich habe gleich ein Gespräch mit unserem Bürgermeister.“ Zwei Minuten später betritt ein weiterer Beamter den Raum, begrüßt mich genauso freundlich wie sein Kollege und gibt mir das Passwort des Gebäudes. Dann lässt auch er mich wieder alleine. „Wow“, bin ich verblüfft über so viel Hilfsbereitschaft und Vertrauen. Schnell eile ich aus dem Gebäude, um unsere zwei Laptops aus der Terra zu holen und Tanja Bescheid zu geben, wo ich mich befinde. Wieder in dem Gemeindehaus rufe ich unseren Techniker Thomas an. „Wir haben tatsächlich eine stabile WLAN gefunden. Jetzt können wir die Teamviewer-Session machen“, sage ich etwas aufgeregt. Auch wenn es technisch mittlerweile nichts mehr Besonderes ist, bin ich immer wieder fasziniert, dass man, egal wo man sich auf der Welt befindet, mithilfe von Teamviewer Zugang zu einem fremden Laptop bekommt. Natürlich nur, wenn man die passenden Zugangsdaten besitzt. Gebannt sehe ich den Cursor auf dem Desktop meines Laptops hin und her flitzen. Es dauert nur fünf Minuten und Thomas hat das Word-Programm repariert. „Und jetzt geht alles wieder?“, frage ich verblüfft. „Alles okay. Wünsche Euch weiterhin eine erlebnisreiche und sichere Reise“, verabschiedet er sich. Als Tanja den Raum betritt, strahle ich wie ein Honigkuchen. „Ich sehe schon, Thomas konnte es reparieren.“ „Ja ging recht schnell“, antworte ich bestens gelaunt.

Es fühlt sich klasse an, wenn die Technik funktioniert und der Motor unseres Ivecos angenehm brummt. Zufrieden steuere ich die Terra über einen Höhenzug. Düstere Wolken umhüllen uns. Plötzlich beginnt es zu schneien, innerhalb weniger Minuten ist alles weiß. Der dunkle Asphalt verschwindet zusehend unter einem dichten weißen Belag. „Jetzt ist der lange angekündigte Winter da“, ist Tanja sicher. „Glaube ich nicht. Wenn wir wieder im Tal sind, wird der Schnee in Regen übergehen“, bin ich überzeugt. Tatsächlich verlieren nur hundert Meter tiefer die leichten Schneeflocken ihre grazilen Bewegungen. Sie werden schwerer und schwerer und enden in einem heftigen Regen. Es ist bereits dunkel, als wir nach 243 heute zurückgelegten Kilometern, 7 Tunneldurchfahrten und 19 überquerten Brücken am 121 km langen Lyngenfjord, dem zweitlängste Fjord Nordnorwegens, einen Platz für die Nacht finden…

Datum:
16.10.2020

Tag: 075

Land:
Norwegen

Ort:
Lyngenfjord beim Örtchen Hatteng

Tageskilometer:
243 km

Gesamtkilometer:
7127 km

Bodenbeschaffenheit:
Asphalt

Brückenüberquerungen:
19

Tunneldurchfahrten:
7

Sonnenaufgang:
07:45 Uhr

Sonnenuntergang:
17:06

Temperatur Tag max:

Temperatur Nacht min:

Aufbruchszeit:
10:00 Uhr

Ankunftszeit:
17:10 Uhr

 

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