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9000 Jahre vor unserer Zeitrechnung

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Wir radeln an der Steilklippe entlang. Etwa 300 Meter unter uns erstreckt sich das Eismeer in die Unendlichkeit. Rechts von uns dehnt sich das Hochplateau aus. In der Entfernung erkennen wir die sanft gewölbten, baumlosen Hügel eines in Sonnenlicht getauchten Gebirges. Die breiten Reifen unserer E-Bikes rumpeln über das von niedrigem Gras überzogene Gestein. Noch vor 8.000 bis 11.000 Jahren war diese Region von Gletschern überzogen. Als sich Ende der letzten Eiszeit die Schnee- und Eisfelder zurückzogen, kamen die ersten Menschen, um sich in dieser unwirtlichen Gegend anzusiedeln. Bereits im Jahre 1925 entdeckte man die ersten Überreste früher Besiedelung, die auf 9000 Jahre vor unserer Zeitrechnung zurückzuführen sind. Heutige Radiokarbondaten belegen die bedeutsame menschliche Präsenz in dieser Region. Es ist ein eigenwilliges Gefühl, wenn ich daran denke, dass vielleicht genau auf diesem Flecken Erde Jäger und Sammler der Komsa-Kultur ihre Fußabdrücke hinterließen. Archäologen vermuten, dass die steinzeitlichen Jäger schon damals gute Bootsbauer waren und vom Fischfang der Jagd nach Robben und Vögeln lebten. „Was für eine karge, zugleich schöne Landschaft“, sagt Tanja, die auf der riesigen offenen Fläche neben mir fährt. Die jetzt tief stehende Sonne lässt die Wolkenbänder im Nordwesten in einem zarten Rosa, an manchen Stellen Orange aufleuchten. Dunkelblaue Wolken mischen sich mehr und mehr darunter und kündigen die vorhergesagte Schlechtwetterfront an. Ein eiskalter Windhauch lässt uns frösteln, trotzdem wollen wir noch nicht zurück, um solange wie möglich den außergewöhnlichen Augenblick zu genießen. Erst als der glühende Sonnenball auf der Horizontlinie aufsetzt, machen wir uns langsam auf den Rückweg.

Wieder in unserer Terra Love angekommen, verstauen wir die Bikes in der Box, dann kocht Tanja ein leckeres Abendessen für uns. „Was für ein Tag“, sage ich meinen Durst mit einem großen Schluck Bier löschend. „Und was für eine außergewöhnliche Radtour“, erwidert Tanja. „Das stimmt. Ist sicherlich eine der skurrilsten Landschaften, in der wir je unterwegs waren. Allerdings wäre es sicherlich eine besondere Herausforderung, die gesamte Strecke von Deutschland bis hierher zu radeln“, meine ich mir einen weiteren Schluck gönnend. „Du bist schon von Deutschland nach Thailand geradelt. Jetzt sind wir mit der Terra da. Du weißt warum. Corona hat unsere Pläne einstweilen durchkreuzt. Wenn die Pandemie vorbei ist, werden wir wieder große Strecken auf den Sätteln unserer Bikes zurücklegen“, entgegnet Tanja. „Ja, ich weiß. Ich bin diesmal auch zufrieden, mit unserem Mobil die Strecke zurückgelegt zu haben. Vor allem wenn ich daran denke, dass jetzt der Winter vor der Tür steht. Ist kein Spaß bei extremer Kälte mit dem E-Bikes, Fahrrad oder zu Fuß im hohen Norden unterwegs zu sein.“ „Zu Fuß?“, hakt Tanja nach. „Seit dem Jahr 2013 beginnt hier am Nordkap der 8.000 Kilometer lange europäische Fernwanderweg E1.“ „Wäre auch mal eine Idee, ganz Europa zu durchwandern oder?“ „Absolut. Das würde aber auch mindestens ein Jahr oder länger dauern. Es gibt so viele Ideen und in der begrenzten Lebenszeit des Menschen müssen wir uns immer wieder für das eine oder andere entscheiden.“...

 

 

 

Datum:
09.10.2020

Tag: 068

Land:
Norwegen

Ort:
Nordkap

Gesamtkilometer:
6559 km 

Sonnenaufgang:
07:00 Uhr

Sonnenuntergang:
17:08 Uhr

Temperatur Tag max:

Temperatur Nacht min:

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