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Sturmböen

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Wenige Kilometer nach dem Polarkreiszentrum neigt sich E6 in tiefere Regionen. Langsam taucht die Herbstfärbung wieder auf und die goldgelben, teils roten Bäume säumen den Rand der Straße. Nach 300 heute zurückgelegten Kilometern erreichen wir Bodø die Hauptstadt der Provinz Nordland. Sie liegt auf einer geografischen Breite von 67°17′. Die Polarnacht dauert hier vom 15. bis zum 29. Dezember und die Mitternachtssonne ist vom 2. Juni bis zum 10. Juli zu sehen. Die Stadt hat mit ihren 52.357 Einwohnern mehr Fläche als Berlin zu Verfügung und wird 2024 neben der österreichischen Stadt Bad Ischl und der estnischen Stadt Tartu eine der drei europäischen Kulturhauptstädte sein. Von hier wollen wir die Fähre zur Inselgruppe Lofoten nehmen. Als wir den Hafen erreichen, um uns nach der Fähre zu erkundigen, blasen heftige Sturmböen über den Parkplatz. Während sich Tanja informiert, wo man Tickets kaufen kann, sitze ich in der Terra und warte. Immer wieder rasen die Böen über das Meer, peitschen Wellen zu meterhohen Türmen auf, reißen an deren weißen Kämmen, sodass die Gischt in Fetzen davongetragen wird. Wenn eine der Böen mit bis 100 km/h in die Breitseite der Terra knallt, schwankt sie beängstigend. Plötzlich rollt ein leerer Einkaufswagen über den Platz, donnert gegen den Bordstein und fällt um. Ein an einem Baum angekettetes Fahrrad kippt auf die Seite. Papiertüten, Staub, Sand und Kleinteile jagen über den Asphalt. „Wegen dem Sturm fährt heute keine Fähre mehr. Sie überlegen sich, ob vielleicht heute Nacht eine gehen soll. Das hängt allerdings davon ab, wie sich das Wetter entwickelt. Wenn wir warten wollen, können wir das dort drüben am Anlegesteg machen. Wenn nicht, können wir die Fähre morgen am späten Nachmittag nehmen. Bis dahin soll sich der Sturm gelegt haben“, sagt Tanja, als wieder in die Terra steigt. „Wenn wir uns dort drüben am Anlegesteg hinstellen, ist das keine gute Idee. Da kann sich der Wind so richtig gut entwickeln. Wir sollten schauen, dass wir hinter irgendetwas stabilen Schutz finden. Abgesehen davon möchte ich heute Nacht nicht die Fähre nehmen. Ersten sehen wir nachts von der imposanten Landschaft nichts und zweitens werden die Wellen sich auch nach dem Sturm nicht so schnell beruhigen“, überlege ich. „Okay, dann los. Schauen wir hier wegzukommen“, meint Tanja. Weil wir in Bodø keinen Stellplatz für die Nacht finden, verlassen wir das Städtchen. „Was hältst du von dem Platz?“, frage ich Tanja ein paar Kilometer weiter auf eine Stelle hinter ein paar Bootshütten deutend. „Ist doch direkt am Meer?“ „Ja, aber geschützt durch einen Erdwall.“ „Und was ist, wenn die Flut kommt?“ „Die Flut geht nicht bis zu den Bootshütten. Die bauen doch keine Häuser, um sie von der Flut überschwemmen zu lassen“, argumentiere ich. „Egal, das ist Privatgrund und zusätzlich fühlt es sich nicht gut an, bei dem Sturm so nah am Wasser zu stehen.“ „Okay, wenn du meinst, fahren wir weiter.“ Auf diese Weise entfernen wir uns mehr und mehr von Bodø. „Wenn wir jetzt nicht bald was finden, wird es dunkel“, sage ich leicht genervt. Dann entdecken wir einen Parkplatz vor einem kleinen Supermarkt, der nicht kostenpflichtig ist. „Wenn wir uns hinter den Lastwagen verstecken, sollten wir vor den Böen einigermaßen geschützt sein“, sage ich. „Sieht gut aus“, ist Tanja mit der Platzwahl einverstanden, weswegen ich die Terra hinter den Truck stelle. „Puh endlich“, bin ich mit dem Ziehen des Zündschlüssels froh, den langen Tag an diesem Platz zu einem positiven Ende gebracht zu haben…

Land:
Norwegen

Ort:
Stadt Bodø

Tageskilometer:
306 km

Gesamtkilometer:
4991 km

Bodenbeschaffenheit:
Asphalt

Fähre
0

Brückenüberquerungen:
0

Tunneldurchfahrten:
15

Sonnenaufgang:
06:40 Uhr

Sonnenuntergang:
19:09 Uhr

Temperatur Tag max:
15°

Temperatur Nacht min:

Windböen
Bis 100 km/h

Aufbruch:
09:00

Ankunftszeit:
17:00

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