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Schwindelnde Höhen auf dem Bergpass Dalsnibba

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„Was ist das denn?“, frage ich auf eine Schranke deutend, hinter der sich ein schmales Sträßchen steil in die Höhe windet. „Keine Ahnung.“ „Das sollten wir uns ansehen“, meine ich in die Eisen steigend. „Dalsnibba, steht da auf dem Schild. Die Beschreibung ist leider auf Norwegisch“, sagt Tanja, eine Hinweistafel studierend. „Frag doch mal den Autofahrer dort“, sage ich zu dem Fahrzeug deutend, das vor der Schranke steht. Wir erfahren, dass die mautpflichtige Bergstraße zu einen der spektakulärsten Aussichtspunkte in Norwegen führt. Obwohl wir auf dem Weg zu dem berühmten Geirangerfjord und der vielleicht bekanntesten Passstraße den Trollstigen sind, entscheiden wir uns für den Abstecher zur Aussichtsplattform. „Wer weiß, was uns dort oben erwartet?“, sage ich gespannt. Nachdem Tanja unsere Kreditkarte in den Automaten gesteckt hat, hebt sich die Schranke. "Geht ganz schön nach oben", sagt Tanja, etwas eingeschüchtert, von dem sich steil in die Höhe windenden schwarzen Asphaltstreifen, als ich die Terra in die erste Kehre lenke. "Super!", sage ich. "Ist doch richtig geil", meine ich im Element des Abenteurers. Dann arbeiten wir uns nicht zum ersten Mal auf unserer Reise, in vielen Haarnadelkurven gen Himmel. "Kommt was?", frage ich ausholend nach rechts steuernd. "Alles frei", sagt mein Co-Pilot, der ab und an das Steuer übernimmt. „Wir sollten hier mal ein Foto von der Terra machen“, meine ich einige Kehren weiter. „Du meinst, ich soll hier aussteigen?“ „Ja warum nicht?“ „Und, wenn uns auf so einem Steilstück ein Auto entgegenkommt?“ „Na, dann fahre ich rückwärts bis zur nächsten Ausweichstelle.“ „Das kannst du vergessen. Ich steige hier niemals aus. Ist doch Blödsinn für ein Foto so ein Risiko einzugehen.“ „Welches Risiko? Denk doch mal daran, welches schwere Gelände wir mit unserer Terra letztes Jahr in Russland bewältigt haben“, entgegne ich. „Da ging ja auch so einiges kaputt und nicht selten hatten wir Angst in den Abgrund oder von dem verlassenen alten Bahndamm zu stürzen. Nein, ich steige hier nicht aus“, bleibt Tanja hartnäckig. „Na dann eben nicht“, sage ich in den zweiten Gang herunterschaltend, um die nächste enge Kurve nehmen zu können. Als könnten wir fliegen, erheben wir uns wie ein Adler immer mehr in die Lüfte. Der Rundumblick über das Dalsnibba-Massiv wird immer spektakulärer. Die ersten halb zugefrorenen Gletscherseen rücken näher, manche von ihnen knabbern mit ihrem blaugrünen Wassern direkt an der Straße. Es geht entlang einer Abbruchkante, dann über eine Art Hochplateau durch eine leichte Senke. „Dort oben ist die Aussichtsplattform“, sage ich, auf ein paar Autos und zwei Baukräne deutend. Wie ein schleichender Tiger rollt unsere Terra die letzten Meter über die neu errichtete Asphaltfläche, die zu dieser Zeit nahezu leer ist. „In Sommern ohne Corona kann man von Glück sprechen, hier überhaupt ein Parkplatz zu ergattern“, sage ich, denn beim Blick nach unten entdecken wir weitere Parknischen neben der Passstraße.

„Wow, was für ein gigantischer Rundblick ist das denn“, ruft Tanja begeistert. Wir stehen an der aus Glas errichteten Brüstung und blicken über das schneebedeckte Gebirgsmassiv, welches uns umringt. „Schau mal von der Felsnadel dort kann man direkt bis zum Geirangerfjord blicken“, sage ich begeistert. Wir verlassen die Aussichtsplattform und klettern 30 oder 40 Meter nach unten. Dann setzen wir uns mit Ajaci auf den Felsen und blicken vom Gipfel des Dalsnibba, aus knapp 1500 Meter Höhe, in die Bucht des berühmten Geirangerfjord. „Dort kommen sie rein, die großen Kreuzfahrtschiffe“, sagt Tanja. „Ja Kreuzfahrtschiffe sind die bequemste Möglichkeit, um diese atemberaubende Bergregion zu besuchen. Die Gäste bleiben hier oftmals nur ein paar Stunden, dann geht es weiter zum nächsten Highlight. Viele Besucher haben allerdings nicht so viel Glück wie wir, denn Regen, Wolken und Nebel gehören hierher wie Sonnenschein nach Griechenland“, plaudere ich wegen dem sagenhaften Ausblick bestens gelaunt. Zu unseren Füßen, also einige Hundert Meter direkt unter uns, windet sich die Gebirgsstraße wie eine graue Riesenschlange dem Geirangerfjord entgegen. Weil unsere Wetter-App für morgen schon wieder die nächste Regenfront ankündigt und wir heute noch die ebenfalls berühmten Trollstigen besuchen möchten, verlassen wir das Dalsnibba-Massiv und winden uns wieder in das Tal zur Geirangerstraße, die wir vor zwei Stunden für den Abstecher verlassen hatten. „Soll ich ein paar Fotos schießen?“, fragt Tanja nach der ersten Haarnadelkurve. „Gute Idee“, freue ich mich über ihren Gesinnungswandel, bremse, ziehe die Handbremse und lasse Tanja aussteigen. „Stopp!“, scheppert die Anweisung durch den kleinen Lautsprecher des Walkie-Talkies. Schon vor 20 Jahren, als wir Australien zu Fuß und mit unseren Kamelen von Süd nach Nord und von der Westküste bis zur Ostküste für drei Jahre durchquerten, hatten wir festgestellt, wie wichtig solche Sprechfunkgeräte sind. Seither sind sie ein Bestandteil unserer Ausrüstung. Und jetzt, während so einer Passstraßenfahrt, kann Tanja mir durchgeben, wo ich für das beste Foto kurz anhalten soll. „Noch ein paar Meter weiter. Ja, so ist es gut“, höre ich. Dann schnappe ich mir mein Handfunkgerät. „Hinter der nächsten Kurve ist eine Ausweichbucht. Denke die kannst du von deiner Position nicht sehen. Ich halte dort und warte auf dich.“ „Roger“, bestätigt Tanja und rennt wie ein Wiesel in ihren Joggingschuhen hinterher...

 

Datum:
19.09.2020

Tag: 048

Land:
Norwegen

Ort:
Trollstigen

Tageskilometer:
185 km

Gesamtkilometer:
3893 km

Bodenbeschaffenheit:
Asphalt

Fähre
1

Brückenüberquerungen:
7

Tunneldurchfahrten:
1

Sonnenaufgang:
06:59 Uhr

Sonnenuntergang:
19:47 Uhr

Temperatur Tag max:
17°

Temperatur Nacht min:
02°

Aufbruch:
12:00

Ankunftszeit:
18:00

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