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1000 Menschen, 1000 Geschichten

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„Hast du mal auf die Uhr gesehen?“, frage ich müde. „Egal“, murmelt Tanja sich auf die andere Seite drehend. Um 10:30 Uhr krabbeln wir aus unserem bequemen Bett. Während Tanja unser Frühstück bereitet, kümmere ich mich um die Navigation. Das heißt, ich packe mein GPS aus und übertrage die Koordinaten unserer augenblicklichen Position in eine Worddatei. Dann rufe ich Sonnenauf- und Sonnenuntergang ab, übernehme die bisher gefahrenen Kilometer aus dem Tacho der Terra und tippe ein paar Kurzinfos der vergangenen Tage in den Laptop. Eigentlich braucht man das alles gar nicht, jedoch beginnt mit dieser Reise wieder die Zeit der Berichterstattung auf unserer Homepage und für das eine oder andere Magazin, vielleicht sogar für ein Buch? Somit sammle ich täglich unsere Logdaten, Informationen über von uns besuchte Orte und Sehenswürdigkeiten, im Schnitt 100 Fotografien pro Tag und das eine oder andere Erlebnis. Auch wenn unsere jetzige Tour zum Nordkap keinen Expeditionscharakter, also nichts Außergewöhnliches besitzt, und man solch eine Unternehmung ohne große Vorkenntnisse durchführen kann, ist jede Reise einmalig. Das bedeutet, wenn 1000 Menschen den identischen Trip unternehmen, macht jeder Einzelne von ihnen seine eigenen Erfahrungen und Erlebnisse. Demnach könnten 1000 Reisende von der gleichen Tour 1000 Bücher schreiben, die alle unterschiedlich wären. Dabei kommt es auf den Blickwinkel des Einzelnen an, also wie er eine Erfahrung betrachtet und wie aufmerksam er ist. Umso achtsamer, intensiver, detailgenauer und gefühlvoller man den Tag lebt, umso besser sind die Beobachtungen. „Denis, du musst dir das unbedingt ansehen. Wir sind hier auf einem Parkplatz gelandet, der voller Hinweisschilder und Tafeln ist. Die gesamte Region ist ein touristisches Highlight. Wir sollten unbedingt das eine oder andere besuchen“, sagt Tanja, als sie nach der Gassirunde mit Ajaci in die Terra kommt. Sofort unterbreche ich meine Gedanken, klappe den Laptop zu und sehe mir den Parkplatz an, auf dem wir gestern Nacht rein zufällig gelandet sind. Staunend lese ich von Felsmalereien aus der Bronzezeit, vom größten Wasserkraftwerk Europas, von dem sensationellen Fund eines Wikingerschiffes, wunderschönen Fischerörtchen und Naturlandschaften.

„Du hast recht, hier ist alles voller außergewöhnlichen Sehenswürdigkeiten“, sage ich begeistert wieder in die Terra Love steigend. „Und was sehen wir uns an?“, möchte Tanja wissen. „Was hältst du davon, wenn wir noch heute zu den Felsritzereien aus der Bronzezeit fahren. Das ist nicht weit von hier.“ „Bin dabei“, meint Tanja, worauf wir sofort zusammenpacken und losfahren.

Nur 15 Kilometer weiter leitet uns das Navi auf einen kleinen Parkplatz. Wir stellen unser mobiles Heim ab, schultern Rucksack und Kamera und machen uns auf eine kleine Wanderung. Nur wenige Meter weiter treffen wir auf die ersten roten Zeichnungen auf dunklen Felsen. „Unglaublich“, staune ich und schieße ein paar Fotos. „Ha, ha, ha, wir sind kaum in Norwegen angelangt und schon überrascht uns das Land mit einer skurrilen Schönheit aus vergangener Zeit“, sagt Tanja in freudiger Stimmung.

Auf einer Hinweistafel wird über die religiösen, politischen und wirtschaftlichen Vorstellungen der Menschen in der Bronzezeit informiert. Während Tanja und Ajaci eine der Felsmalereien bewundern, die "Tänzer" genannt wird, lese ich laut vor: „Die Darstellungen sind Zeugen einer Ackerbaukultur und die Felsen mit solchen eingeritzten Zeichnungen liegen häufig am Rand von Äckern und Weideland. Sie erzählen von Technologie und der wirtschaftlichen Welt der Bronzezeit, und sie berichten von religiösem Kult, in dem u. a. auch der Fruchtbarkeitskult eine bedeutende Rolle spielte. Die häufigsten Symbole sind Sonnensymbole, Schiffe, Wagen, Waffen, Menschen, Haustiere, Fußabdrücke und schalenförmige Vertiefungen. In der Regel deutet man die Figuren als religiöse Symbole, aber vielleicht erzählen sie auch von wirtschaftlicher und politischer Leitung. Funde in unmittelbarer Nähe einzelner Felszeichnungsfelder haben gezeigt, dass kultische und zeremonielle Handlungen bei diesen Felszeichnungen stattgefunden haben müssen.“

Als einzige Besucher dieses fantastischen Ortes wandeln wir durch den von der Abendsonne durchdrungenen Wald. Immer wieder strecken dunkle, runde und von den Gletschern der letzten Eiszeit glatt geschliffene Felsrücken, mit den uralten Bemalungen, ihre Rücken aus der Erde. Rote Waldbeeren, lila farbene Blüten, saftig grüne Blätter und die roten Felsritzereien aus der Bronzezeit scheinen in den letzten warmen Sonnenstrahlen des wunderbaren Tages einen farbprächtigen Reigen zu tanzen. 1 ½ Stunden später erreichen wir wieder unsere Terra Love. „Ist schon fantastisch, das eigene Heim dabei zu haben, egal wo man sich befindet“, sage ich, setze mich an den hellen Holztisch, packe meinen Laptop aus und speise die eben geschossenen Bilder in den Computer…

 

Datum:
10.08 2020

Tag: 008

Land:
Norwegen

Ort:
Felsmalerei

Tageskilometer:
15 km

Gesamtkilometer:
1454 km

Fahrzeit:
1 Std.

Bodenbeschaffenheit:

Asphalt

Sonnenaufgang:
05:17 Uhr

Sonnenuntergang:
21:24 Uhr

Temperatur Tag max:
28°

Temperatur Nacht:
21°

Aufbruch:
16:30 Uhr

Ankunftszeit:
17:30 Uhr

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