Guyana 1990

An der Biegung des Flusses

(Kontakt zu den Wai-Wai-Indianern in Guyana)

Wie Pfeile schießen die Tapire in panikartiger Flucht durch das dichte Unterholz, und ehe ich mich versehe, rasen ihnen die Wai-Wai-Indianer in einer irren Geschwindigkeit hinterher. Mit großem Kraftaufwand verfolge ich die Jäger, die in einem gekonnten Zickzacklauf durch den dunkelgrünen Dschungel hetzen. Die Äste peitschen mir um die Ohren, und an den stechenden Schmerzen spüre ich, wie sich irgendwelche Stacheln in meinen Armen vergraben. Meine Kameras behindern mich und schlagen wild baumelnd hin und her. Nur dranbleiben, denke ich mir, ich darf sie unter keinen Umständen aus den Augen verlieren. Trotz guter körperlicher Verfassung bekomme ich Konditions-Schwierigkeiten. Das Atmen fällt schwer. Da passiert es, ein gewaltiger Schlag, ein stechender Schmerz am Schienbein, und ich falle, ohne mich abstützen zu können, auf den matschigen Urwaldboden. Wie betäubt liege ich im ersten Augenblick da und betrachte meine mit zähflüssigem Schmutz überzogenen Kameras. Sofort springe ich wieder auf die Beine, doch es ist zu spät, die Indianer sind vom Wald wie verschluckt …

Gerne erinnere ich mich an den Jagdausflug mit den Wai-Wai-Indianern, die an einer Biegung des Essequibo-Flusses ihr Dorf hatten. Leider sind auch sie durch Goldgräber, die vom Militär eingeflogen werden, sowie durch Diamantensucher, die die Grenzen von Brasilien nach Guyana missachten, bedroht. Die Fremden bringen Krankheiten mit, gegen die die Indianer keine Abwehrstoffe besitzen, verseuchen die fischreichen Flüsse mit Quecksilber und noch viel mehr.

Wenn es die Zeit zulässt, werde ich unter der Rubrik “Tagebücher Guyana Wai-Wai” einen Erlebnisbericht über unseren Kontakt zu den Wai-Wai-Indianern veröffentlichen.

 


Guyana (ehemaliges British-Guyana) 1990

Expedition ins Grenzgebiet zwischen Guyana und Brasilien zu den vom Aussterben bedrohten Wai-Wai-Indianern. An einer Biegung des Essequiboflusses lebte Denis Katzer mit den letzten Wai-Wai-Indianern Guyanas, um sie für die Nachwelt auf Bild und Film zu festzuhalten.