Indien 1992, 1993, 1994

15.000 km mit dem Motorrad durch Indien

(Unmenschliche Grenzen und menschliche Größe)

Indien: Ein Land der Gegensätze, ein Land, das Höhen und Tiefen vereint, ein Land, in dem viele Religionen heimisch sind und in dem zahllose Götter verehrt und angebetet werden. 1 ½ Jahre sind Tanja und ich 15.000 km mit einem alten Motorrad durch den Subkontinent gefahren. Während dieser Zeit wurden wir ein Teil des geheimnisvollen Landes, speisten mit einem Maharadscha, waren Zeugen, wie ein Bettler von Maden am lebendigen Leib aufgefressen wurde, verbrachten Tage und Wochen in bekannten und unbekannten Aschrams, durchstreiften Urwälder und beobachteten wilde Elefanten, Büffel und Tiger aus unmittelbarer Nähe.

Wir erlebten den Tod auf den gefährlichen Straßen, Fakire, die sich Fleischerhaken durch den Rücken rammen ließen, um sich daran aufzuhängen oder die damit einen Lastwagen durch die Gassen zogen. Wir haben Dinge erlebt, die sich mit Worten kaum beschreiben lassen und nur zu verstehen sind, wenn sie einem selbst widerfahren. Als wäre es erst gestern gewesen, erinnere ich mich noch, wie Tanja und ich durch die Gassen von Madras schlenderten. Es war bereits Mitte April und sehr heiß. Im Mai lähmt der indische Hochsommer jeglichen Bewegungsdrang, auch die Einheimischen machen nur noch das Allernötigste. Es kam uns vor, als wären wir die ersten weißen Touristen. Wir wurden mit freundlichem Lachen und Winken begrüßt. Ich fühlte mich unbeschreiblich wohl, ja glücklich, den heißen indischen Boden unter meinen Füßen zu spüren. Es war unbeschreiblich schön, ich fühlte mich heimisch. Selbst die schmutzige Straße strahlte eine verblüffende Vertrautheit aus, als ob ich schon einmal hier gewesen wäre. Die Menschen um uns herum schienen unsere gute Stimmung aufzufangen und wiederzuspiegeln. Auch wenn es immer märchenhaft klingt, wenn Reisende von der Herzlichkeit und Zufriedenheit der indischen Bevölkerung schwärmen: Ich stelle diese Lebensfreude jedes Mal wieder von Neuem fest.

Wenn es die Zeit zulässt, werde ich in der Rubrik “Tagebücher Indien” unsere einmaligen Impressionen und teilweise markerschütternden Erlebnisse schildern.

 


Indien 1991-92/93-94-95

1 ½ Jahre durchquerten Tanja und Denis Katzer mit einem alten indischen Motorrad (Enfield) das mythenreiche Land der Gegensätze. Auf ihrer 15.000 km langen Fahrt erlebten sie Himmel und Hölle zugleich.