Erster Kontakt zu Corona

 „Hast du von dem neuen Virus in China gehört?“, holt mich die Frage unseres Guides auf den abgelegenen Galapagos Inseln in eine Welt, von der wir gerade nichts hören wollen.
Influenza, HIV, Westnilfieber, Ebola, Sars und jetzt hat es offensichtlich wieder eines dieser winzigen Dinger geschafft vom Tier auf den Menschen überzuspringen, um ihn krankzumachen. Ich erinnere mich einmal gelesen zu haben, dass es mindestens 320.000 unterschiedlicher Viren geben soll. Eine ungeheure Zahl. Wahrscheinlich sind diese, dem Leben nahestehenden Wesen, gefährlicher als hungrige Haie, denke ich, weil in diesem Augenblick ein junger Galapagoshai unter dem Dingi, in dem Tanja und ich sitzen, durchschwimmt. Augenblicke später habe ich das Gespräch wieder vergessen oder verdrängt? Wir genießen die außergewöhnliche Zeit in einem der letzten, noch gesund aussehenden, Naturparadiesen unserer wunderschönen Mutter Erde.

Zurück in unserer Heimat hören wir zum ersten Mal von dem Coronavirus, der sein Unwesen in China treibt. Es dauert nicht lange und das kleine Ding hat den Sprung nach Europa geschafft. Die Meldungen in den Medien häufen sich und auf einmal lehrt dieser Winzling nahezu jeden Erdenbürger das Fürchten.

Die all umfassende, surreal wirkende Bedrohung bestimmt urplötzlich das Leben eines jeden Menschen, egal ob arm oder reich. Eine Bedrohung von der sich keiner freikaufen kann.
Eigentlich wollten wir bald zu unserer dreijährigen Expeditionsetappe aufbrechen, jedoch zwingt uns dieses Miniwesen Corona unser lang vorbereitetes Projekt erstmal zu verschieben, zumindest so lange bis sich die Lage hoffentlich beruhigt und die Länder wieder ihre Grenzen öffnen. Um uns und andere nicht zu gefährden sind wir erstmal abgetaucht und vermeiden jegliche sozialen Kontakte. Dabei denken wir an die Verantwortung gegenüber unserem Mitmenschen und vor allem auch für unsere Eltern. Wir wollen sie nicht durch unser leichtsinniges Verhalten gefährden. Obwohl wir es jetzt täglich mehrfach in den Medien hören wollen auch wir unsere Stimme erheben und daran erinnern, dass wir Menschen zusammenhalten müssen. Nur so sind wir stärker als das Coronavirus. In jeder Krise liegt auch etwas Positives. Vielleicht erwachen wir endlich und denken über unser Konsumverhalten mehr nach als vorher? Vielleicht ist das Coronavirus ein Weckruf an alle Erdenbürger? Vielleicht denken wir in Zukunft darüber nach weniger Plastik zu benutzen, keine billige Kleidung zu kaufen, bei dessen Produktion nachweislich viele Menschen sterben? Es gibt geradezu unendlich viel zu tun und vielleicht ist das Virus der Schuss vor dem Bug, den wir Menschen benötigen?
Wenn wir alle daran arbeiten und zusammenhalten, wenn wir empathisch sind und unser Ego zurückstellen, haben wir auch in Zukunft eine Chance, dass die Kinder dieser Erde auch morgen noch in der Lage sind Bäume zusehen und Vögel zwitschern zu hören…